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hammer time again.

Kann schon sein, dass ich eine MyHammer-Voyeuristin bin. Aber neben erschröcklichem Dumping finden sich da eben auch immer so entzückende Stilblüten. Die Ausschreiben zeigen eben auch eindrucksvoll, wie schwierig es ist, auch nur ein paar Sätze geradeaus zu schreiben und mit welchem mehr oder weniger außergewöhnlichen Talent wir Texter da jeden Tag so arbeiten … ;-)

Da gibt’s welche, die suchen … Programmierer mit drogeninduzierter visueller Halluzination?

hallo, ich suche einen visierten flash programmierer, der mir eine flash seite erstellt. sie sollte über eine startseite, eine kontaktverbindung ( emai an mich ) und eine portfolio option enthalten.

… oder professionelle Werbung für die eigene Werbeagentur, von der sie schon jetzt wissen, wie pflegeleicht die sein wird:

Sehr geehrter Auftraggeber,
wir benötigen für unsere Werbeagentur eine professionelle Website, da diese als Aushängeschild für uns dient. Es wird ca. 30 Unterseiten geben und leicht zu pflegen sein.

Manche beginnen ihre Anfrage mit „und zwar“ …

Hallo!! Und zwar suche ich jemanden der für mich eine Internetseite bekannt machen kann.
Habe da einen Autoregger und die Seite soll also gut gesehen werden.

… manche wollen sogar geschriebene Bilder:

Wir suchen einen zuverlässigen Texter der uns einen Text für eine Broschüre schreibt.
Gemacht werden soll: Es sollen Text und Bilder für eine 4 Seitige Broschüre geschrieben werden. Ein Teil des Textes (Die Leistungen als Liste) ist schon vorhanden.

… und wieder andere wünschen sich gar Unmögliches:

Die Texte gehen vollständig und exklusiv in unser Eigentum über.

wir protextieren – die initiative für bessere texte setzt sich in bewegung.

Protextbewegung LogoEs gibt gute Texte und es gibt schlechte, einladende und quälende. Es gibt lustige Fehler, menschliche und peinliche. Wer einen guten Profi engagiert, darf sich auf gute, richtige und lebendige Texte freuen, die nicht nur den Selbstzweck der netten Lesbarkeit erfüllen, sondern auch dem Image, den Sympathiewerten und dem Umsatz gut tun. :-)

In diesem Sinne marschiert die Protextbewegung los: mit einer nigelnagelneuen Website.

Textguerilla, das Blog zur Bewegung für mehr Textqualität ist schon eine ganze Weile online und erfreut sich nicht nur immer neuen Gastautoren der schreibenden Zunft, sondern auch über reges Interesse.

Wir und wir haben als Initatoren, Konzeptioner, Umsetzer, Diskutierer, Schreiber, Fotografierer, Designer, Webdesigner, Webmurkser und Dranbleiber die ersten Schritte der Protextbewegung gewagt, den Grundstein gelegt. Jetzt sind wir sehr gespannt, wie vielen Mitstreitern wir mit unserem Projekt aus der Seele sprechen und wie vielen Besuchern wir noch neue Impulse dazu geben können, warum es sich lohnt, professionelle Texter an ihr Werk zu lassen und die auch anständig zu honorieren. ;-)

Protextler im Header

Dabei sind Mitstreiter natürlich gern gesehen – ein warmes Plätzchen mit Link in der Unterstützerliste ist ebenso frei wie die Möglichkeit, auch aktiv mitzuarbeiten.

Die Website ist aber natürlich nicht nur Heim von Forderungen und Kampfparolen – au contraire! :-)

Es gibt ein farbenfrohes Magazin, knackige Interviews mit prominenten Sprachbenutzern, amüsante Fundstücke, Tipps vom Profi, tolle Gewinnspiele und einen wahrlich sehenswerten, ausführlichen Überblick (fast) aller Berufsprofile aus dem Textbereich (danke, Heike!). Wer noch nicht weiß, ob er mal E-Learning-Autor oder doch lieber Investor-Relations-Texter werden will, wenn er groß ist, ist hier an der richtigen Webadresse.

Natürlich sind auch die Themen angemessene Honorierung, Urheberrecht und Co. ihren Platz in der Protextbewegung. Hab ich noch was vergessen? Ganz bestimmt. Da müsst ihr halt mal selber gucken gehen.

sprachverkennung.

Ich bin im Basicdingsdablog, das (den? ich bin da unentschieden und inkonsistent, sehe das nicht so dogmatisch – vielleicht wäre „die Blog“ ja die Lösung?) ich selten heimsuche, über was gestolpert, das ich mir lang mal genauer anschauen wollte, weil ich dachte, es könnte meine Arbeit erleichtern und auch noch das (sichere) Texten von Bett und Badewanne (als fast letzte Bastionen der Freizeit) ermöglichen: die Sprach(v)erkennung. Die ist in Vista irgendwie eingebaut, keine Ahnung, ob XP die auch schon hatte und was ein Mac da macht …

Sollte doch gelacht sein, dieses eingebaute Feature so zu trainieren, dass man sich als Texter ein bisschen mehr wie ein Anwalt fühlen kann:

„Rhabarberrhabarberrhabarberrhabarberrhabarberrhabarber – PUNKT – rhabarberrhabarberrhabarber – NEUERABSATZ – rhabarberrhabarberrhabarberrhabarberrhabarber-AUSRUFUNGSZEICHEN – rhabarberrhabarberrhabarberrhabarberrhabarber – ICHHÄTTEGERNEINENFRISCHENKAFFEEKOFFEINFREIUNDEINROSINENSCHNECKCHEN – SOFORT – DANKE“

Das wäre schon was. Also hab ich die Spracherkennungssoftware aufgerufen und ihr ein wenig vorgelesen, damit sie mich besser versteht – mach ich doch gern! – und im Lernprogramm klappt es auch prima.

Dann hab ich die Probe aus Exempel gemacht (was auch immer das bedeutet, vielleicht ein Fall fürs Wortfeilerchen? ;-)) und ein Rezept diktiert, mein aktuelles Lieblingsrezept:

Wechselt für vor Worten Koriander sofort (Rezept zu Karotten-Koriander-Suppe)

Zu Taten (Zutaten)

25 Grammbutter (25 g Butter)

Eine zivilen, ein gehabt (1 Zwiebel, fein gehackt)

Eine Knobloch sehen, z.. (1 Knoblauchzehe, zerdrückt)

Ein Esslöffel neben (1 EL Mehl)

500 Grammmöhren, gestellt, Scheiben (500 g Möhren, geschält, Scheiben)

Einen ¼ Litergemüsebrühe (11/4 l Gemüsebrühe)

Einen Esslöffel Koriander, gemahlen (1 EL Koriander, gemahlen)

150 Dramen wie Fischer Jogurt oder Dramen you for the (150 g griechischer Joghurt oder Rahmjoghurt)

Eine Esslöffel Koriander frühen, gehabt (1 EL Koriandergrün, gehackt)

carrot soup
Creative Commons License photo credit: stu_spivack

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darf’s ein bisschen mehr sein?

Was wir bisher nicht über Werbetext wussten und auch eigentlich gar nicht wissen wollten.

Mit Werbetexten ist das nämlich so: Wenn ein Texter einen Text textet, der total buntwitzig ist und crazy und vielleicht auch ganz neu erfundene Wörter dabei hat, einen, der ein bisschen wie Goethes Faust klingt oder der am besten eine Übersetzung ist, dazu gern schön lang und irgendwie auffällig sperrig, dann hat der Texter vielleicht Glück (aber auch nur vielleicht, nur, wenn der Herr Richter ein leckeres Mittagessen hatte, zum Beispiel oder wenn auf dem Weg zum Gericht grad noch sein Lieblingslied im Autoradio lief). Denn dann darf man seinen Text nicht einfach so klauen. Und dann drückt einem der Onkel Richter ne kleine Münze in die Hand.

Aber manchmal gilt hier eben schon doch das Rolls-raus-Prinzip: Denn auch wenn man Fotos und Bilder und Übersetzungen nicht klauen darf, weil die einfach mal praktischerweise quasi automatisch geschützt sind, wie wahrscheinlich sicher auch das Loch im Boden, das es mal auf der documenta zu bestaunten gab, und die Erkennungsfanfare der Tagesschau, sind wir Texter da einfach ein bisschen freigiebiger. Wenn auch unfreiwillig. Da darf geklaut werden, was das Zeug hält. Denn geklaut ist zwar geklaut, aber manchmal macht das eben nix.

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Creative Commons License photo credit: joelogon

Was leider kaum einer weiß, der nicht selbst textet: Ein Text ist umso besser, je unauffälliger eine aufwendige Konzeption hinter der Form verschwindet. Gerade Texte, die wie ganz mühelos so mirnichtsdirnichts daherfließend daherkommen, eher schlicht und plauderig, denen sieht man die Kunst leider und gottseidank nicht so an – dennoch sind gerade die zweifellos besonders hochwertig und kunstvoll. Das kann man ja mal probieren, als Richter, so einen Text zu schreiben. Und dann kann man noch gucken, ob das nu reines Handwerk ist und nix anderes als eine Bedienungsanleitung.

(Tjaja, man denkt manchmal ganz naiv, irgendwie sei doch sicher alles irgendwie vor Klau geschützt, von den Äpfeln des Nachbarn bis zu den Daten im Netz – aber Pustekuchen! Da verliert sogar ein gutes altes Gebot von Moses Tafel an Bedeutung.)

Aber auch wenn die Kröte geschluckt ist und die Schlacht verloren, wir bleiben dran … :-)

Und ich sach ja schon immer, dass Text eher Kunst ist als Handwerk, das meint ja sogar die hochamtliche Künstlersozialkasse – aber uns fragt ja keiner.

Lieber Textdieb, dürfen wir vielleicht auch noch nen Aal drauflegen?

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„Ein Texttraum? Mit Nichten.“

Diese offensivagitatorischen Werbebemühungen finde ich ja persönlich äußerst befremdlich. Warum dieser Sermon immer so lang sein muss, auf bunt und typografisch gruselig gesetzt, weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich soll man als Leser in eine Art Strudel mitgerissen werden? Und 1.088 Euro für ein Mailing müssen auch nicht unbedingt sein, Standards sowieso nicht. Es gibt sicher Zielgruppen, die so eine Ansprache lieben und brauchen – vielleicht, um Heizdecken zu verkaufen oder Wunderpendel? Ich persönlich halte es da eher mit den guten alten Pfeilern Konzeption, Qualifikation, Textkompetenz. Assoziativ, empathisch und überraschend unterhaltsam schreiben kann man zum Glück auch ohne „!!!gefährlich!!!“-Drohungen.

Posten tu ich das aber eigentlich nur, weil ich die Passage „Ein Traum? Mit Nichten.“ so süß finde.

plagiatfinder.

Auch bei gutefrage.net stellte man sich die Frage, wie man Plagiate möglichst sicher im Web finden kann. Unter den Freunden automatisierter Suche nach Textklau sind natürlich auch Unis, die Tools nutzen, um Plagiate aus dem Web zu finden.

So ergänze ich also Biggis praktische Liste von Tools zum Aufspüren von Textdieben mit

Google natürlich

Copyscape

Paperseek

und

PlagAware

um

Plagiarism-Finder und

TextGuard.

von losern getextet.

littfassmist

Da fehlen einem die Worte. Ein paar wenige hat Wolf dazu gefunden.

Viel mehr davon gibt es hier. Aber wer würde davon mehr sehen wollen?

Wer da nicht hinklicken mag, verständlicherweise, dem sei gesagt, dass da sowas steht:

Nach diesem Kurs werden Sie wissen…

  • Wie Sie schnell und einfach Alltags-Verkaufstechnik in unwiderstehliche Verkaufstexte verwandeln, die den Leser automatisch in Trance versetzen und dazu „zwingen“, Ihr Produkt zu kaufen.
  • Warum Sie keine guten Noten haben müssen, um diese Geheimnisse erfolgreich anwenden zu können, und warum ein akademischer Abschluss sogar ein Handicap sein kann, wirklich Geld zu machen. Der Beweis, dass einfach jeder erfolgreiche Werbebriefe erstellen kann
  • Was die wirkliche Definition von Werbung ist und warum 99,9 % der Werbe-Agenturen im Grunde Mist sind.
  • Kleine miese Gründe, warum die Leute nicht auf Ihre Anzeigen oder Werbebriefe reagieren und wie man das sofort beenden kann.
  • Warum das Verwenden von falscher Grammatik Ihre Verkaufszahlen tatsächlich hochschießen lassen kann, und warum Ihr Deutschlehrer heftigst falsch lag mit allem, was er Ihnen beigebracht hat.
  • Wie man mörderische Ideen wiederverwerten kann, die von unseren Altmeistern verwendet wurden, um neues Leben in jede Ihrer Anzeigen zu pumpen. (Warum das Rad noch mal neu erfinden? Lassen Sie sich doch von den alten „toten“ Typen all die Munition geben, die Sie für eine kreative Mords-Anzeige benötigen.)

Bild via the missing link via Ninifaye via Malcolm

Schön auch, dass der der Text selbst geklaut wurde. :-)

von den gehemmten und den gestörten.

Hier in den Kommentaren ging sie los, die interessante Diskussion um das Seelenleben der Kreativen.

Im Fokus steht die Frage, ob besonders kreative Menschen (wie wir :-)) besonders sensibel, ängstlich, verletztlich seien – und dass das wiederum mit dem kräftig herrschenden Preisdumping im Kreativ-Segment im Zusammenhang stehen könnte.

Schamhafte Sinnpflanze
Creative Commons License photo credit: Zeitfixierer

Zu dieser Korrelation hat Vroni jetzt bei brand eins eine empirische Untersuchung gefunden, die ein wenig Licht wirft auf die Verbindungen zwischen Mimöschendasein, cerebralem Funktionieren, Ideen- und monetärem Reichtum.

Sind sehr empfängliche Sinne etwas anderes als eine vulnerable Seele? Das stand im Raum.

Vronis Kommentar und die Studie verdienen einen eigenen Beitrag, find ich – und voilà, da samma :

„Mir ist da noch was aus brand eins unterlaufen, das ich der Gemeinde nicht vorenthalten will. sieht so aus, dass für alles empfängliche Sinne rasch zu einem “zerfaserten Nervenkostüm” führen. Und ein zerfasertes Nervenkostüm führt durchaus zu schlechten Selbstwertwertgefühlen und Vulnerabilität. Für mich sind die Zusammenhänge evident.“

Das hier meint der brand-eins-Artikel von Wolf Lotter über die Studie der „amerikanischen Neurowissenschaftlerin und Psychologin Shelly Carson von der Harvard University, die sich seit vielen Jahren aufopfernd und erfolgreich dem Phänomen besonders kreativer Menschen widmet“ – ein Auszug:

„Carson ließ nun den Versuchspersonen über Kopfhörer einen Text vorlesen, in dem gelegentlich absurde Begriffe auftauchten, Fantasiewörter. Die sollten die Testpersonen nun zählen. Das wurde den Probanden auch so mitgeteilt. […]

Die erste Testgruppe registrierte die Störung praktisch nicht. Sie zählten, wie es ihnen geheißen wurde, die falschen Begriffe wie Erbsen, und auch ihr Gesichtsausdruck änderte sich kaum, wenn Störgeräusche auftraten. Sie erwiesen sich als perfekt geschlossene Systeme, Menschen, wie geschaffen für Fließbänder, Buchhaltungstabellen und zur Formularbearbeitung.

Die Mitglieder von Gruppe zwei hingegen versagten. Schon einige Störungen genügten, um sie völlig aus dem Konzept zu bringen. Die wenigen unter ihnen, die mit aufgefasertem Nervenkostüm den Test zu Ende führen konnten, wiesen eine exorbitante Fehlerquote auf.

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