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der agd fordert primaes für text und design.

Ich prangere Ungereimtheiten im Kreativgewerbe schon länger an, hier und bei Xing und auch bei der Textguerilla – und jetzt sehe ich, dass der AGD die deutsche Politik auch schon aufgefordert hat, wer auch immer „die deutsche Politik“ dann auch ist – ich hoffe, sie fühlt sich programmatisch angesprochen.

Ich will Fische adoptieren

Die Forderungen sind so richtig und wichtig, da müssen sich Fischadoptionswillige gaaanz weit hinten anstellen!

Hier kommt nur ein Auszug, die volle Forderung gibt’s hier beim AGD:

Programmatische Forderungen der AGD an die deutsche Politik zur Stärkung der Designwirtschaft als Wachstumsmotor der Kreativwirtschaft in Deutschland und Europa

Allgemeine Aussage:

Wir wünschen uns mehr Rechtssicherheit und ein stabileres berufliches Umfeld für die Klein- und Kleinstunternehmen unserer Mitglieder.
[…] Die beste Wachstumschance, die nachhaltigste Liquiditätsvorsorge und der beste Schutz vor Insolvenz ist jedoch die erfolgte Zahlung einer angemessenen Vergütung von Kreativleistungen. Daher müssen die Unternehmen und Institutionen in den Förderfokus rücken; es gilt, ein Mehr an qualifizierter Nachfrage zu erzeugen.

A) Wichtigstes Anliegen ist für die AGD, eine umfassende Rechtssicherheit für den Berufsstand der DesignerInnen herzustellen.

A1. Die Vermarktung Geistigen Eigentums durch den Designer und die weitere Verwertung durch den Auftraggeber muss eindeutiger, sicherer und einfacher werden.

A2. Im Urheberrecht muss das Vermarktungshindernis des individuellen Nachweises der Schöpfungshöhe abgeschafft werden. Designleistungen sollten generell und automatisch dem Urheberschutz unterliegen.

  • Zur Erklärung: Auf jedes der im Gesetz explizit genannten Werke der Literatur, Wissenschaft und Kunst könnte das Prinzip der Schöpfungshöhe angewandt werden, denn Trivialschöpfungen gibt es in jedem der genannten Bereiche. Journalisten und darstellenden Künstlern wird beispielsweise generell ein Urheberschutz und das Privileg des ermäßigten Umsatzsteuersatzes gewährt, obwohl auch hier nicht in jedem Fall von einer eigenschöpferischen Leistung mit außergewöhnlicher Gestaltungshöhe auszugehen ist.

A3. In Anlehnung daran sollte das Umsatzsteuerrecht angepasst werden: Designleistungen inklusive der daran vergebenen Nutzungsrechte sollten verbindlich und ohne Einzelfallprüfung dem Umsatzsteuersatz von 7% unterliegen.

  • Zur Erklärung: Das Kostenangebot im kaufmännischen Geschäftsverkehr wird unter der Vermutung der urheberrechtlichen Schutzfähigkeit des gelieferten Werkes erstellt und ist im Binnenverhältnis bindend. Eine vom Bundesfinanzhof geforderte nachträgliche Einzel-Bewertung ist weder praktikabel noch rechtsverbindlich. Evtl. Nachforderungen der Finanzbehörden aufgrund der Aberkennung der Schutzfähigkeit könnten die Existenz des Freiberuflers gefährden. Vom ermäßigten Umsatzsteuersatz würden in erster Linie öffentliche Auftraggeber und Nonprofit-Unternehmen, die nicht vorsteuerabzugsberechtigt sind, profitieren. Designleistungen zu beauftragen würde für diese Auftraggeber günstiger werden.

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darf’s ein bisschen mehr sein?

Was wir bisher nicht über Werbetext wussten und auch eigentlich gar nicht wissen wollten.

Mit Werbetexten ist das nämlich so: Wenn ein Texter einen Text textet, der total buntwitzig ist und crazy und vielleicht auch ganz neu erfundene Wörter dabei hat, einen, der ein bisschen wie Goethes Faust klingt oder der am besten eine Übersetzung ist, dazu gern schön lang und irgendwie auffällig sperrig, dann hat der Texter vielleicht Glück (aber auch nur vielleicht, nur, wenn der Herr Richter ein leckeres Mittagessen hatte, zum Beispiel oder wenn auf dem Weg zum Gericht grad noch sein Lieblingslied im Autoradio lief). Denn dann darf man seinen Text nicht einfach so klauen. Und dann drückt einem der Onkel Richter ne kleine Münze in die Hand.

Aber manchmal gilt hier eben schon doch das Rolls-raus-Prinzip: Denn auch wenn man Fotos und Bilder und Übersetzungen nicht klauen darf, weil die einfach mal praktischerweise quasi automatisch geschützt sind, wie wahrscheinlich sicher auch das Loch im Boden, das es mal auf der documenta zu bestaunten gab, und die Erkennungsfanfare der Tagesschau, sind wir Texter da einfach ein bisschen freigiebiger. Wenn auch unfreiwillig. Da darf geklaut werden, was das Zeug hält. Denn geklaut ist zwar geklaut, aber manchmal macht das eben nix.

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Creative Commons License photo credit: joelogon

Was leider kaum einer weiß, der nicht selbst textet: Ein Text ist umso besser, je unauffälliger eine aufwendige Konzeption hinter der Form verschwindet. Gerade Texte, die wie ganz mühelos so mirnichtsdirnichts daherfließend daherkommen, eher schlicht und plauderig, denen sieht man die Kunst leider und gottseidank nicht so an – dennoch sind gerade die zweifellos besonders hochwertig und kunstvoll. Das kann man ja mal probieren, als Richter, so einen Text zu schreiben. Und dann kann man noch gucken, ob das nu reines Handwerk ist und nix anderes als eine Bedienungsanleitung.

(Tjaja, man denkt manchmal ganz naiv, irgendwie sei doch sicher alles irgendwie vor Klau geschützt, von den Äpfeln des Nachbarn bis zu den Daten im Netz – aber Pustekuchen! Da verliert sogar ein gutes altes Gebot von Moses Tafel an Bedeutung.)

Aber auch wenn die Kröte geschluckt ist und die Schlacht verloren, wir bleiben dran … :-)

Und ich sach ja schon immer, dass Text eher Kunst ist als Handwerk, das meint ja sogar die hochamtliche Künstlersozialkasse – aber uns fragt ja keiner.

Lieber Textdieb, dürfen wir vielleicht auch noch nen Aal drauflegen?

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urheberrechtliches, hübsch aufgedröselt.

Per Google-Zufall bin ich gerade mal ins Designerdock eingelaufen, wo ich eine sehr sehenswerte Serviceseite mit viel Wissenswertem zum Thema Recht für Werber (Urheberrecht, Markenrecht, geistiges Eigentum, Schöpfungshöhe, Vergütung von Entwürfen und was nicht sonst noch alles) gefunden hab, die MUSS ich hier einfach teilen. :-)

Die offensichtlich von den Rechtsanwälten Karsten & Schubert – Anwaltskanzlei für Geistiges Eigentum und Unternehmensrecht -gut, vielseitig und sehr konkret bestückte Seite bietet Antworten auf wirklich viele offene Fragen.

Aktuell besonders interessant finde ich den Download zum Diebstahl geistigen Eigentums von der KarstenundSchubertschen Seite und diese Ausführungen zur Schöpfungshöhe und Schutzfähigkeit von Texten auf designerdock.de:

(Hier selbstredend nur auszugsweise präsentiert. :-))

Kann man den Diebstahl von Werbetexten verhindern?

Das Urheberrecht weist den einzelnen Werkkategorien einen recht unterschiedlichen Schutz zu. Während Fotos, einschließlich der einfachsten Schnappschüsse, eigentlich immer geschützt sind, muss Design überragend überdurchschnittlich sein, um die Gunst des Urhebergesetzes zu erfahren. Texte bilden innerhalb der Schutzfähigkeitsskala einen Mittelwert. Das LG Berlin hat in einem aktuellen Urteil sogar einen recht umfassenden Schutz angesetzt, s.u.

[…]

Das Urteil des Berliner Landgerichts: Das LG Berlin hatte einen Fall zu beurteilen, in dem ein Mediengestalter die in die Web-Site eingebundenen Werbetexte eines anderen Mediengestalters im Wesentlichen übernommen hat. Unter den Überschriften „Planung & Beratung“, „Coding & Design“, „Promotion“ und „Pflege und Betreuung“ sind die einzelnen Dienstleistungen beschrieben worden. Das LG Berlin erkannte in der Darstellung des Dienstleistungsangebots eine schöpferische Tätigkeit, die das Werk aus der Masse des Alltäglichen hervorhebe und von einer lediglich handwerklichen und routinemäßigen Leistung unterscheide. Durch den Aufbau und die logische Untergliederung der insgesamt vier Aspekte des Leistungsangebots, sei ein zwar kleiner, aber gleichwohl vorhandener Gestaltungsspielraum genutzt worden (LG Berlin, Urteil vom 26.01.2006, Az. 16 O 543/05).

Fazit: Auch recht einfache Texte sind urheberrechtlich geschützt, wenn sich der Inhalt oder Aufbau nicht aus der Natur der Sache ergibt, sondern ein Gestaltungsspielraum besteht, der auch ausgeschöpft wird.

© 2006 Katja Schubert, Rechtsanwälte Karsten & Schubert

Michi und Susi, kennt ihr das erwähnte Urteil schon? :-)

plagiatfinder.

Auch bei gutefrage.net stellte man sich die Frage, wie man Plagiate möglichst sicher im Web finden kann. Unter den Freunden automatisierter Suche nach Textklau sind natürlich auch Unis, die Tools nutzen, um Plagiate aus dem Web zu finden.

So ergänze ich also Biggis praktische Liste von Tools zum Aufspüren von Textdieben mit

Google natürlich

Copyscape

Paperseek

und

PlagAware

um

Plagiarism-Finder und

TextGuard.

10 mythen zum urheberrecht.

Die Geschichte des Urheberrechts ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Während es beim Runterladen von Stockphotos noch recht akzeptabel ist, für die Verwendung Nutzungsrechtsentgelte zu entrichten, ist es bei Texten offensichtlich lang nicht so offensichtlich, dass auch sie geistiges Eigentum sein könnten, das man nicht klauen und/oder überall verwenden kann, wie man lustig ist. Die Unwissenheit beginnt aber oft schon mit der fälschlichen Annahme, das Urheberrecht sei übertragbar.

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Creative Commons License photo credit: Schmiegel

Unwissenheit gibt es auf Seiten von Ottonormalbürgern, die beispielsweise durchs Bloggen in Versuchung kommen, sich hie und da zu bedienen – nichts ahnend … Aber Unwissenheit in Form von Ignoranz gibt es auch in vermeintlichen Expertenkreisen, die Textschaffenden suggerieren, es sei eine Schweinerei, für die Nutzung der Texte Geld zu verlangen, unüblich, gierig und verdammenswert. Auch wenn sogar das schwächliche Urheberrecht eine angemessene Vergütung festschreibt. Und dann gibt es noch die verständliche Ängstlichkeit in den eigenen Reihen, mal vorsichtig Nutzungsrechtsentgelte je nach Nutzungsintensität zu verlangen – resultierend aus mannigfaltigen Kontakten zu oben genannten „Experten“.

Die Blogpiloten haben sie veröffentlicht, die 10 Mythen zum Urheberrecht. Danke dafür!
Ich zitiere nur die Punkte, mehr zu lesen gibt es dann ebenda.

(1) Ohne Copyright-Zeichen ist es nicht geschützt

(2) Kostenlose Inhalte kann ich frei verwenden

(3) Mein Artikel war nur ein Zitat

(4) Wenn ich ein Werk weiterentwickle, gehört das neue Werk mir

(5) Mein Name ist urheberrechtlich geschützt

(6) Mit dem Einschreiben an mich selbst kann ich mein Urheberrecht beweisen

(7) Creative Commons und Open Source werden das Urheberrecht abschaffen

(8) Wenn ich erwischt werde, gehe ich fünf Jahre ins Gefängnis

(9) Mir passiert nichts, weil die Urheber mir nichts beweisen können

(10) Das Urheberrecht ist dasselbe wie das Copyright

Die 10 häufigsten Mythen über das Copyright wurden schon 1994 aufgezeichnet und können hier nachgelesen werden.

via Marketing-Oase

Zemanta Pixie

straflos klauen jetzt erlaubt.

Prima: Wer geistiges Eigentum klaut, zahlt im Fall des Erwischtwerdens das übliche Honorar und gut is. Nix Strafe, nix Aufschlag. Wenn wir das jetzt auch noch für Ladendiebstahl durchkriegen, hab ich ein neues Hobby. :-(

Wer ist eigentlich der Bundesrat? Viel geistiges Eigentum scheint der nicht zu produzieren, sonst würde er vielleicht anders denken …

Also: Help yourself! Und ich leg noch nen Aal drauf – oder ne Rundfahrt …

shoplifting
Creative Commons License photo credit: haledavid1@msn.com

wissensquiz zum urheberrecht.

Ja ja, mein Blog wird immer businessiger … ;-) Immerhin biete ich jetzt mal Urheberrecht light, in Form eines kleinen Wissenstests, ersonnen vom Bundesjustizministerium:

zum Quiz

Insgesamt eine nette Kampagne, das „Kopien brauchen Originale“, aufgelesen von meiner todernsten Designerschwester.

Ob man wohl die Banner verlinken darf? Das müsste recht eindeutig ein Kavalierdelikt sein – oder ein dickes Paradoxon … ;-)