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wir sind kulturhauptstadt. ey.

Da musste mich erst eine Hannoveranerin im geschätzten Texter-Netzwerk Texttreff drauf stoßen, auf diesen schönen Artikel zur Ruhrgebietskultur von Frank Goosen, seines Zeichens nicht nur Herr des Liegen-Lernens, sondern auch Bochumer. Kleine Leseprobe zu den Kleinoden entlang der “Seidenstraße” des Reviers, der Route der Industriekultur, gefällig?

Egal, wie Sie hier unterwegs sind, die gängigen Sehenswürdigkeiten sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Wir können voller Überzeugung sagen, dass Sie so etwas woanders so nicht geboten kriegen. Sie wissen nicht, was imposant umbauter Raum ist, wenn Sie die Bochumer Jahrhunderthalle nicht gesehen haben. Planen Sie getrost einen ganzen Tag für das Gelände von Zeche und Kokerei Zollverein ein, das von der Fläche her manchen Kleinstaat locker in die Tasche steckt. Besuchen Sie das neu eröffnete Ruhrmuseum dortselbst. Lassen Sie die Jugendstil-Zeche (kein Witz!) Zollern in Dortmund nicht aus, und stellen Sie sich auf den verbliebenen Hochofen der Hattinger Henrichshütte, wo ich mich selbst manchmal staunend umschaue und denke: Kär, wat ham wir früher malocht!

Und wenn Sie jetzt sagen: Das sind doch alles Klischees, dann sage ich: Jawoll! Es geht darum, als Einheimischer ein entspanntes Verhältnis zu diesen Klischees zu entwickeln.

Jawoll! Es geht in Frank Goosens Stimmungsbild aber im Gros weniger um architektonische Highlights, sondern vor allem um den Menschenschlag, der hier zuhause ist. Zwischen Fusek und Veltins, zwischen Bude und Lachspüree, Schrebergarten und Jahrhunderthalle, den alltagskulturellen Hinterlassenschaften der Unter-Tage-Malocher, wie es mein Opa einer war (der sich im wahrsten Sinne “hoch”arbeitete) und Jugendstil-Zeche. (Wodka Wick-blau war mir allerdings auch neu.)

Hier geht’s weiter zum ganzen prallen Zeit-Artikel. Dazu noch eine Lieblingspassage, den Kontext möge man bitte selbst erlesen:

Ist es nicht viel peinlicher, sich selbst immer noch zu Blasmusik auf den Arsch und auf die Schuhe zu hauen, obwohl man auch seit hundert Jahren keine Kuh mehr auf die Alm getrieben hat?

;-)

Update: Da seh ich gerade, dass meine Bochumer Reviernachbarin alias wortfeiler auch drüber schreibt – über den ersten Artikel der ADAC Motorwelt, den ich je gelesen hab:

Die ADAC Motorwelt widmet uns, dem Revier der Ideen, so etwa 10 Seiten und bereits der Titel sagt, wo der Frosch die Locken hat, wir sind nämlich Europas heimliche Hauptstadt. Schnell lerne ich, dass nur Paris und London mehr Einwohner als wir haben und wir mit 5,3 Millionen Einwohnern der drittgrößte Ballungsraum in Europa sind.

Viele Menschen, wenig Platz und Städte, die ineinander übergehen, das ist halt der Ruhrpott, aber eben auch, dass Claus Peymann bereits in den 80ern sagte, wir seien das New York Europas.

Ha! Es ist aber schon wirklich merkwürdig, dass man ziemlich oft gefragt wird, warum man nicht wegzieht von hier. New York Europas, das sagt doch alles …

schilda ist hier.

Da les ich auf der Startseite Titelseite des Stadtanzeigers, dass Graugänse Tagetes-Beete im hiesigen Stadtgarten plünderten – sie hinterließen unzählige Blümchen angefressen und zertrampelt.

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Was macht das hiesige Grünflächenamt? Es setzt Hasenzäune um die Beete. Jetzt mag ich falsch gewickelt sein, in Zeiten lilaer Kühe sind vielleicht auch Gänse mutiert, aber können die nicht immer noch fliegen? Immerhin werden sie beim Äsen jetzt nicht mehr von Hasen, Füchsen oder Wölfen gestört …

EDIT: Ausschnitt vom Titelseitenbild. Mit Hasenzaun. Ohne Käfig.

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Gäsenbild: © Marianne Hauck/Pixelio.de

tour de ruhr.

Nur eine Fahrt von Düsseldorf heimwärts. Aber auch meine Antwort auf Susis und Michaels wundervolle Reiseimpressionen. Und zwar als Rückwärtsgeschichte. Quasi.

Mit der A52, ein bisschen A40. einigen Autos als Nebendarstellern, einem werblichen Autokennzeichen und einem Reißverschluss nach alter Rechtschreibung.

Und mit einem wirklich schönem Himmel. :-)

“Ein Texttraum? Mit Nichten.”

Diese offensivagitatorischen Werbebemühungen finde ich ja persönlich äußerst befremdlich. Warum dieser Sermon immer so lang sein muss, auf bunt und typografisch gruselig gesetzt, weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich soll man als Leser in eine Art Strudel mitgerissen werden? Und 1.088 Euro für ein Mailing müssen auch nicht unbedingt sein, Standards sowieso nicht. Es gibt sicher Zielgruppen, die so eine Ansprache lieben und brauchen – vielleicht, um Heizdecken zu verkaufen oder Wunderpendel? Ich persönlich halte es da eher mit den guten alten Pfeilern Konzeption, Qualifikation, Textkompetenz. Assoziativ, empathisch und überraschend unterhaltsam schreiben kann man zum Glück auch ohne “!!!gefährlich!!!”-Drohungen.

Posten tu ich das aber eigentlich nur, weil ich die Passage “Ein Traum? Mit Nichten.” so süß finde.