Kategorie-Archiv: ruhrgebiet

was is ambach?

Während man bei Berlinessa mit nem tollen deutschen Wort gar schröcklich tolle Preziosen aus’m großen Apfel zur Selbstnochverschönerung gewinnen kann (bis Montag noch, also husch husch!), fragt mich gestern meine Schwester so: “Sag mal, ambach ist doch ein Wort, oder?” Und ich so: “Klar is das ein Wort.” Ein ziemlich propperes sogar.

Also was is nu ambach?

wir sind kulturhauptstadt. ey.

Da musste mich erst eine Hannoveranerin im geschätzten Texter-Netzwerk Texttreff drauf stoßen, auf diesen schönen Artikel zur Ruhrgebietskultur von Frank Goosen, seines Zeichens nicht nur Herr des Liegen-Lernens, sondern auch Bochumer. Kleine Leseprobe zu den Kleinoden entlang der “Seidenstraße” des Reviers, der Route der Industriekultur, gefällig?

Egal, wie Sie hier unterwegs sind, die gängigen Sehenswürdigkeiten sollten Sie sich nicht entgehen lassen. Wir können voller Überzeugung sagen, dass Sie so etwas woanders so nicht geboten kriegen. Sie wissen nicht, was imposant umbauter Raum ist, wenn Sie die Bochumer Jahrhunderthalle nicht gesehen haben. Planen Sie getrost einen ganzen Tag für das Gelände von Zeche und Kokerei Zollverein ein, das von der Fläche her manchen Kleinstaat locker in die Tasche steckt. Besuchen Sie das neu eröffnete Ruhrmuseum dortselbst. Lassen Sie die Jugendstil-Zeche (kein Witz!) Zollern in Dortmund nicht aus, und stellen Sie sich auf den verbliebenen Hochofen der Hattinger Henrichshütte, wo ich mich selbst manchmal staunend umschaue und denke: Kär, wat ham wir früher malocht!

Und wenn Sie jetzt sagen: Das sind doch alles Klischees, dann sage ich: Jawoll! Es geht darum, als Einheimischer ein entspanntes Verhältnis zu diesen Klischees zu entwickeln.

Jawoll! Es geht in Frank Goosens Stimmungsbild aber im Gros weniger um architektonische Highlights, sondern vor allem um den Menschenschlag, der hier zuhause ist. Zwischen Fusek und Veltins, zwischen Bude und Lachspüree, Schrebergarten und Jahrhunderthalle, den alltagskulturellen Hinterlassenschaften der Unter-Tage-Malocher, wie es mein Opa einer war (der sich im wahrsten Sinne “hoch”arbeitete) und Jugendstil-Zeche. (Wodka Wick-blau war mir allerdings auch neu.)

Hier geht’s weiter zum ganzen prallen Zeit-Artikel. Dazu noch eine Lieblingspassage, den Kontext möge man bitte selbst erlesen:

Ist es nicht viel peinlicher, sich selbst immer noch zu Blasmusik auf den Arsch und auf die Schuhe zu hauen, obwohl man auch seit hundert Jahren keine Kuh mehr auf die Alm getrieben hat?

;-)

Update: Da seh ich gerade, dass meine Bochumer Reviernachbarin alias wortfeiler auch drüber schreibt – über den ersten Artikel der ADAC Motorwelt, den ich je gelesen hab:

Die ADAC Motorwelt widmet uns, dem Revier der Ideen, so etwa 10 Seiten und bereits der Titel sagt, wo der Frosch die Locken hat, wir sind nämlich Europas heimliche Hauptstadt. Schnell lerne ich, dass nur Paris und London mehr Einwohner als wir haben und wir mit 5,3 Millionen Einwohnern der drittgrößte Ballungsraum in Europa sind.

Viele Menschen, wenig Platz und Städte, die ineinander übergehen, das ist halt der Ruhrpott, aber eben auch, dass Claus Peymann bereits in den 80ern sagte, wir seien das New York Europas.

Ha! Es ist aber schon wirklich merkwürdig, dass man ziemlich oft gefragt wird, warum man nicht wegzieht von hier. New York Europas, das sagt doch alles …

eine nacht in dortmund: tina testet das all seasons hotel.

Ich bin sehr gern Texterin. Aber ein Job, der mir auch gefallen könnte, ist Hoteltesterin. Ich liebe es, im Hotel zu nächtigen. Nicht in jedem Hotel, ein wenig Komfort sollte es schon bieten … Jedenfalls hab ich gern zugesagt, als ich gebeten wurde, mein kritisches kleines Haupt mal testweise im all seasons Hotel in Dortmund zu betten. (Und ruhig auch zu bloggen, wenn mir was nicht gefällt, das war die Hauptvoraussetzung.)

Das all seasons Hotel kannte ich noch nicht, kein Wunder, ist ja auch ziemlich neu. Und ziemlich versteckt liegt das Low budget Designhotel noch dazu, dafür aber verkehrsgünstig – nämlich an der Kreuzung Autobahnauffahrt von A40 und B235.

Der Empfang war herzlich, der Mitarbeiter überaus kommunikativ, ich glaube, nicht nur weil ihm ein wissendes Lächeln übers Gesicht huschte, als ich mich anmeldete. Er erzählte gleich ein bisschen was über Geschichte und Konzept des Hauses: Als Accor all seasons in Frankreich gegründet, machen sich die Kette fürs günstige Designhotel jetzt auch in Deutschland breit, mit ersten Häusern in Hamburg und … tadaaa, seit Herbst 2009 auch in Dortmund. :-)

Da, wo seit 1939 erst Munition und dann Maschinen gefertigt wurden, nächtigen jetzt jede Menge Menschen. Und das nicht schlecht, wie die Bilder zeigen. Low budget Designhotel, das klingt erstmal nach nem schwarzen Schimmel. Doch die Architekten haben einige Rafinesse eingebracht, um auf kleiner Fläche recht viel fürs Auge zu bieten: Die Zimmer sind allesamt ebenerdig in die Halle eingebaut, um zwei Innenhöfe herum, wo man sich heute als Raucher zur Pause unter dem Heizpilz tummeln kann.

Mein Zimmer ist ein kleines, aber ein feines. Die Einrichtung ist funktional und durchaus ansehnlich, das kann als Designhotel durchgehen, immerhin finden sich da maßgeschneiderte Möbelchen, eine Collage aus dreierlei Fußböden und sogar ein komfortables Bett mit raffinierter Unterbodenbeleuchtung. Da hab ich’s mir gleich mal gemütlich gemacht. Aber ich hatte ja noch was vor und so hab ich erstmal ausgiebig die Dusche getestet. Die funktionierte auch prima.

Nach Dusche und Abendtoilette ging’s weiter ins Zwischenfall, gar nicht weit vom Hotel weg in Bochum-Langendreer, wo die talentierten Jungs von Cryptic Lane zu Recht den zweiten Platz beim Emergenza Festival holten und damit die Qualifikation für die nächste Runde.

Zurück im Zimmer, hab ich mich da wieder hübsch eingekuschelt, ein bisschen durchs Fernsehen gezappt, durch eine ziemlich krude Senderauswahl allerdings (da fehlten wichtige Sender wie RTL ;-) das hab ich natürlich am nächsten Tag mal gemeldet). und schließlich richtig gut geschlafen. Am nächsten Morgen war ich ein bisschen verschwollen, vielleicht hab ich da doch eine Allergie gegen Hotelbetten oder Hausstaub?

Das Frühstück im all seasons Hotel wurde mir schon von der agilen Aushilfsservicekraft am Abend empfohlen worden und es war wirklich gut. Kein überbordender Luxus im Low budget Designhotel, aber mit allen, was man so braucht. Brötchen, Croissants, Obst, Cerealien, ziemlich viel Käse und Aufschnitt, leckerer Saft, gekochte Eier und so weiter …

Och ja, ich hätte da noch eine Nacht bleiben können – aber ich hab dann um 12 Uhr ausgecheckt und mich auf den Heimweg begegen, ist ja wahrlich nicht weit nach Lütgendortmund gewesen …

Ich hab sie emsig gesucht, die Makel und Mängel, aber nicht viel gefunden. Da waren unschöne Flecken im Vorhang, das Zimmer war nicht gerade groß, der Ausblick nicht allzu pittoresk und im Badezimmer hatte der Heizkörper einen Anschluss ans Stromnetz, das ist nicht gerade nachhaltig. Dagegen hat die Klimaanlage im Zimmer allerdings sogar ne Fernbedienung und auch einen Ökomodus. :-)

onlinebotschafter.com

leben und sterben in castrop-rauxel.

Heute Abend wiederholt 3 SAT um 21.45 Uhr mal wieder den “Heimatfilm” des Bestattersohns Schaarmann, der nicht Bestatter werden konnte:

Leben und Sterben in Castrop-Rauxel

Protagonisten sind unter anderem mein Lieblingspfarrer Martin Hensel und unser geschätzter Ex-Bürgermeister Nils Kruse.

Danke für den Tipp im fulminanten TT, Petra!

schilda ist hier.

Da les ich auf der Startseite Titelseite des Stadtanzeigers, dass Graugänse Tagetes-Beete im hiesigen Stadtgarten plünderten – sie hinterließen unzählige Blümchen angefressen und zertrampelt.

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Was macht das hiesige Grünflächenamt? Es setzt Hasenzäune um die Beete. Jetzt mag ich falsch gewickelt sein, in Zeiten lilaer Kühe sind vielleicht auch Gänse mutiert, aber können die nicht immer noch fliegen? Immerhin werden sie beim Äsen jetzt nicht mehr von Hasen, Füchsen oder Wölfen gestört …

EDIT: Ausschnitt vom Titelseitenbild. Mit Hasenzaun. Ohne Käfig.

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Gäsenbild: © Marianne Hauck/Pixelio.de

am wegesrand.

Mein Job fesselt mich oft genug an den Schreibtisch, aber heute – das Großprojekt ist fast durch – hab ich mich mal wieder daran gemacht, nebenher ein bisschen journalistisch zu arbeiten. Das ist leider wenig lukrativ, aber dafür ist es am Wegesrand umso bunter.

Aus den Themen der Redaktion pickte ich mir “todesmutig” die hiesige Abteilung des Sauerländischen Gebirgsvereins raus. Und es war nicht nur ein netter Job, sondern auch ein wundersamer Ausflug in einer andere Welt, die ich sonst nie entdeckt hätte. Dass ich auf einer Seniorenwanderung durch den Wald, über die Wiese und am Kanal entlang so viel Spaß haben würde, hätte ich nicht gedacht.

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Ich hab richtig was gelernt, übers Leben, übers Wandern, über meine Heimat. Darüber, wie gut ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte bei der Einkehr schmeckt. Und sogar jede Menge über die Geschichte der Deutschen Bahn und PR im großen Stil, denn der Vorsitzende des quietschvergnügten Wanderclübchens war jahrelang Pressesprecher der Eisenbahner.