Archiv der Kategorie: die das leben schreibt

heavy dating.

Im Caférestaurantkettendingsda, Sonntag Abend. Am Nachbartisch wird gerade eine Familie gegründet. Vielleicht. Wenn, dann von das Blonde und der Polizist. Sie ist sehr blond. Unsere Handtaschen kuscheln auf der durchgehenden Sitzbank. Ich kann also schon rein akustisch gar nicht weghören. (sic!)

Das Blonde und der Schutzmann haben’s irgendwie eilig. Weil sie schon am Telefon gesagt hat, sie müsse früh wieder weg. Schlau und vorsichtig issie wohl. Biographien werden durchgehechelt, dass mir noch am Nachbartisch schwindelig wird. Die Erwartungen an einen neuen Partner nicht vergessen. Die machen das nicht zum ersten Mal.

Aha, Parship. Er Schimanski für Arme. Nicht so cool wie der. Dafür ekelhaft dynamisch. Redet nonstop. Hört sich dabei zu gern zu. Wenn sie (mini)mal einhaken will: „Jetzt hab ich dreimal versucht, den Satz zu beenden.“ – „Oh, sorry …“

Zwei Kinder hat er, eins mit ADS, schlau, aber nicht richtig begabt. Papi selbst ist hübsch ambitioniert. Er sagt viele Sachen wie „hab letztens ’ne Beförderung über mich ergehen lassen müssen“, „war mal beim LKA“, „trag doch keine Uniform“ und „heftige Geschichten“. Und er sagt gern „Damoklesschwert“, „Judikative“, „Migrationshintergrund“. Große Wörter! Höhere Laufbahn? Ganz sicher aufstrebendes Kleinbürgertum. Angestrengtes Imponiergehabe. Ich nehme schon beim Zuhören ab. Trotz Essen vor mir.

Hey, irgendwann ist sie doch auch dran! Ich hatte schon befürchtet, es würde bei seinem Monolog bleiben. Ihr Lieblingssatz: „Kinder brauchen Vater UND Mutter!“ Klar, was sie da will: nen Vatti. Macht ihn das echt an? Ich fahre meine Antennen aus. Nö. Aber abschrecken tut es ihn auch nicht, guck an! Hat ja auch geile Stiefel an, das Blonde. Das grad bedeutungsschwanger die eigene „Pseudomoral“ erklärt. Frag mich nicht.

Dann endlich weiter, zu ihrem Leben. Erklärt, warum die Kinder nen Vatti brauchen, nen neuen. Oha. Sie ist – anders als er, der Lümmel! – nicht nur getrennt und geschieden, ihr Ex ist auch noch tot. Alkohol, Opiate. Führungsschwäche. Schulden. All sowas. Sie hat nicht studiert. Doppelte Kauffrau. Auf sowas hätte ich getippt. Und wollte es dennoch gar nicht wissen. Ach so, ja, und ihre Kinder brauchen nen Vatti. Und er is einer! Heissa. Er hat ne Fönfrisur, ein schickes Hemd, sogar ein Haus (wenn er Single wär, dann hätte er auch zwei Autos, sagt er) und er is befördert. Wohin auch immer. (Sollte ich mal ermordet werden, möchte ich ihn bitte nicht auf dem Fall!)

Sie sagt: Er braucht erstmal ne Trennung. Hat sie ja schon am Telefon gesagt. Jetzt hat sie ein bisschen Oberwasser. Und er verkündet mit Grandezza, dass er die beiden Getränke zahlt. Spendabler Typ. „Haha, vielleicht sollte ich noch die Haare nass machen!“ Hat er seiner Frau gesagt, er sei beim Sport? Originell! Na komm, noch ein Vorstoß, wo man grad schon mal hier ist. Er setzt sich nach’m Klobesuch, währenddessen sie schnell ihrer Freundin getextet hat, noch zu ihr aufs Sofa. Ich merke ihre Beine rumzappeln. Aha, der Herr Kommissar gefällt! Wer hätte das gedacht? Ich nicht.

Die Wege des Herrn sind doch wirklich unergründlich.
Manchmal guck ich gern dabei zu. Wenn auch unfreiwillig. Echt.

PS: Auf externen Wunsch hin hab ich versucht, ein Bild zu machen von dieser Sternstunde. Wie schön, dass das iPhone auf Blitz stand. Ich konnte die Kamera gerade noch auf meinen halbleeren Teller schwenken. Er war mal beim LKA, ok, aber das hat er nicht gerafft. Hoffentlich.

endlich.

Weia. Wenn man so lang nicht gebloggt hat, kriegt man gar nicht so leicht die Kurve. Nix da Aufholblogging, ich mach jetzt erstmal weiter, als sei nix gewesen. Ist ja auch nix gewesen außer ganz viel Arbeit und ganz wenig Zeit. Facebook hat viele Links, Anmerkungen und Bilder bekommen, die eigentlich ins Blog gehörten. Dabei geht doch hoffentlich wohl beides.

Und nu kann ich „endlich“ bloggen. Und mal gucken, wie das noch so ging. Das „endlich“ passt nämlich auch zur lang ersehnten Kombi aus Schnee und Sonne, die es hier heute gab und um 15:30 Uhr immer noch ein bisschen gibt. Wenn auch nur noch für ein Stündchen.

So sieht’s hier also aus, während im Bundestag ein Mann Volk und Plenum Schnee- und Matschreifen erklärt:

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Ach ja. Und aua Arm hab ich, Tetanus-Impfung. Das wollte ich auch noch loswerden.

abgebrannt! wir helfen.

Trümmerteile auf der Straße vor dem Haus

Trümmerteile auf der Straße vor dem Haus

Nachbarn entdecken die bis zu fünf Meter hohen Flammen lange bevor die junge Familie selbst die Gefahr bemerkt. Die Mutter greift gegenwärtig das Kind und stolpert durch den Funkenflug in den Hausflur, der Vater schafft es erst später aus der brennenden Dachwohnung. Spät genug, um mit Verbrennungen und einer Rauchvergiftung auf die Intensivstation zu kommen.

So unfassbar es sein muss, mitten in der Nacht nicht nur knapp lebend der brennenden eigenen Wohnung zu entkommen, barfuß, mit Kind und Katze auf dem Arm durch die Funken zu stolpern und damit gottseidank zwar nicht das Leben, aber das geliebte und mit viel Liebe selbst ausgebaute Dach über dem Kopf so plötzlich zu verlieren, so überwältigend toll und auch trötzlich ist gottseidank die Solidarität im Netz.

Welches Gefühl es sein muss, vor den Trümmern des mühe- und liebevoll aufgebauten Zuhauses zu stehen, kann ich nicht mal erahnen. Aber ich kann mich freuen – über die Hilfsbereitschaft, auf die die rasch initiierte Aktion Abgebrannt! Wir helfen trifft: es ist viel, aber noch nicht genug!

Erlebnissen wie diesen

„Das Leben, wie ich es kannte, endete gestern, als ich halbnackt mit meinem Kind auf dem Arm vor den Flammen flüchtete.

Das neue begann damit, einen Tag später den lebenden Kater doch noch aus den Trümmern zu ziehen, nachdem wir ihn alle schon betrauert hatten. Aber ich konnte es nicht glauben, dass er tot sein sollte – und hatte Recht. (…)“

möchten wir möglichst rasch möglichst viele tröstliche, positive und hoffnungsfrohe Erlebnisse entgegenstellen.

Also: Bitte helft mit! Auch, wenn es mit einem scheinbar unscheinbaren Beitrag ist, gemeinsam – und nur gemeinsam! – können wir hier schnell und effizient helfen, den Verlust und den Schrecken zu überwinden, dabei zu helfen, beispielsweise Dinge des Alltags neu zu besorgen, Arbeitsmittel der beiden Web-Freelancer bereitzustellen, die Übergangswohnung rasch wohnlich einzurichten und der kleinen 2-jährigen Tochter den Zwangsumzug zu erleichtern.

Da die Mutter nicht nur eine hoch geschätzte Kollegin ist, sondern auch eine ganz liebe Netzwerkfreundin, die nicht nur immer ihr Expertenwissen großzügig zur Verfügung stellt, ohne die es mein Lieblingsnetzwerk Texttreff so heute nicht gäbe und von der ich beruflich wie persönlich sehr viel gelernt hab, würde ich mich sehr freuen, wenn ich auf diesem Weg den einen oder anderen Spender motivieren könnte, uns zu helfen.

Vorher/nachher

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Beiträge der Betroffenen

Medienberichte

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schwer hörig.

Es fing damit an, dass Berlinessa bemerkte, wie ähnlich sich „I love you“ und „Fuck you“ sehen, wenn man mit Kopfhörern versucht, diese Wünsche und Bekundungen von den Lippen abzulesen. Es ging damit weiter, dass Herr NotQuiteLikeBeethoven, erklärte, was es mit den ebenfalls (when „mouthed“) ähnlich aussehenden Säften „olive juice“ und „elephant juice“ auf sich hat.

Das war schon ziemlich spannend, wurde aber noch übertroffen von einem faszinierenden Test, den er ebenfalls ebenda gepostet hat. Lippenlesen für Anfänger, quasi. Wenn man nicht drauf angewiesen ist, fast ein Spaß – auf jeden Fall aber eine eindrucksvolle Erfahrung, wenn man sich mal vorstellen will, wie schwierig Lippenlesen ist. Erst recht ohne Kontext und Wiederholungstaste.

Also ich hab 14 Minuten gebraucht und vor allem ganz lange für das zweite Beispiel …

chronisch unpünktlich, monochrom ist doof und ab in eine polychrone kultur.

Ich bin über die Pünktlichkeit gestolpert. Was ich da zu sehen bekam, kann ich nicht für mich behalten, sind die Konsequenzen doch zu weitreichend.

Erstmal muss ich wohl in die Romandie, um niemanden durch einen Kulturschock zu gefährden:

So gilt es beispielsweise in der Deutschschweiz als höflich, ungefähr fünf Minuten vor dem verabredeten Zeitpunkt einzutreffen — in der Romandie jedoch ungefähr fünf Minuten nach dem verabredeten Zeitpunkt.

Ein verschiedener Umgang mit der Zeit kann also zu großen Kommunikationsproblemen oder gar Konflikten führen (siehe auch Kulturschock).

Dann scheint auch „Bauer sucht Frau“ eine echte Alternative darzustellen:

Im Alltagsleben von auf die Landwirtschaft ausgerichteten Gesellschaften hat sekundengenaue Pünktlichkeit in der Regel keine Bedeutung. […] In einer solchen Umgebung haben Uhren nur eine geringe Bedeutung und dienen höchstens der groben Orientierung.

Aber weil man sich auf dem Bauernhof ja immer so früh aus der Horizontalen quälen muss, ist das wohl auch nix. Bliebe die Suche nach einer eher vertikalen Kultur …

Gesellschaften mit einer horizontalen Zeitauffassung teilen ihre Zeit ein und haben Tendenz, jede Minute ihres Handelns zu planen und legen deswegen großen Wert auf Pünktlichkeit. Menschen in Gesellschaften mit einer vertikalen Zeitauffassung hingegen, verhalten sich diesbezüglich flexibler. Der Anthropologe Edward T. Hall (siehe Lit.) spricht von monochronen bzw. polychronen Kulturen.

Ein polychrones Zeitverständnis würde ich für eine Umsiedelung jedenfalls schon mitbringen. Achtung, der nächste Satz ist wirklich wunderschön. Eigentlich sogar beide.

Die Menschen in Gesellschaften mit polychronem Zeitverständnis haben Zeit. In zwischenmenschlichen Beziehungen und Kommunikationen ist der korrekte Abschluss der Interaktion wichtiger als die Einhaltung eines wie auch immer gearteten Zeitplans. Weiterlesen

saufen für die kinder.

Gestern im Edeka in Oer-Erkenschwick. Ein riesiges Mekka auch für Feinkost-Freunde – kaum etwas, das man da nicht bekäme. Überhaupt scheinen sich die roßen neuen Edekas im Vest zu wahren Konsumtempeln zu mausern, Castrop-Rauxel, Oer-Erkenschwick und Datteln wurden von mir schon heimgesucht.

Im Markt finden sich allerdings auch Absonderlichkeiten. Joghurt mit Mais zum Beispiel, da darf ich gar nicht dran denken, da wird mir gleich ganz anders. Aber auch diese fragwürdige Aktion „Saufen für die Jugend“ – oder wie darf man das hier deuten? „Vom Erlös jeder verkauften Flasche wird 1 Euro gespendet!“

Saufen-fuer-die-Kinder