lobo, schirrmacher und die welt in kompakt.

Eigentlich wollte ich ja noch was bloggen zu Frank Schirrmachers Spiegel-Seufzer „Mein Kopf kommt nicht mehr mit” über die Anforderungen der neuen hyperinteraktiven Medien an Geist und Aufmerksamkeitsleistung und über Sascha Lobos Gegenrede „Die bedrohte Elite”.

Da komm ich aber nicht zu. Weil ich viel Arbeit in Sir Lobos Ex-Job als Werbetexter hab. Und weil ich dabei immer wieder abgelenkt werde durch Türklingeln, Telefonläuten, E-Mail-Benachrichtigungen, SMS-Signaltönen, dem Läuten des Twitterclients und den Myriaden von Verlockungen in Internet, Netzwerken und auf Facebook. Wer neugierig ist, verliert. Zumindest an Zeit und Energie, letztlich auch an Zufriedenheit oder sogar an Selbstbewusstsein. „Bin ich echt so undiszipliniert oder einfach nur so neugierig?”

Sascha Lobo, der in seiner Spiegel-Gegenrede zwar viel Wahres sagt, dabei aber den Kern von Schirrmachers Beitrag ziemlich offensichtlich gar nicht trifft, sondern höchstens tangiert (Simmel anzuführen ist toll, aber noch nicht alles ;-)), bietet ja praktischerweise auch gleich ein ganzes, tolles Buch voller Ablässe für Ablenkungsopfer an: Dinge geregelt kriegen – ohne einen Funken Selbstdisziplin. Aber was wollte ich denn noch gleich sagen? Ach ja, dass ich da eigentlich gar nichts zu schreiben brauche, weil der Spot von Welt kompakt es schön empathisch darstellt, das wilde Leben zwischen Spielfreude und Frustration, zwischen Aufgeschlossenheit und Ausgelaugtsein, zwischen Boheme und Multimediaterror, zwischen Early Adopter und dem Letzten, den die Hunde beißen.

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Comments

  1. wortfeilchen sagt:

    Wagemutig und unkonzentriert – das passt. Schöner Spot, aber wer ist die Stimme? Ich komm nicht drauf.

  2. tina sagt:

    Hmmm … Mich erinnert die Stimme an Nadeshda aus den Münster-Tatorten, aber ich weiß es nicht.

    http://www.agentur-lutter.de/detail.php?id=3

  3. Susi sagt:

    Und wer ist die Agentur??

    Toller Spot. Sehr ansprechend, zumindest für uns 2.0er. ;-)

  4. Ich musste sehr schmunzeln bei den Online- und den echten Freunden. Sooo wahr.

    Den Spot gibt es noch in einer anderen Variante, mit einem Spruch, ähnlich wie :”Wir haben 10.000 Urlaubsfotos auf der Festplatte, aber keine Zeit sie anzusehen… usw.
    Hm, leider auch sehr wahr.

  5. Julia sagt:

    Was ich an dem Spot interessant finde – auch wenn das jetzt etwas am Thema vorbei geht – ist diese Schwarm-Mentalität. Visuell dargestellt durch die Vögel, textlich durch das ständige “Wir”. Individualismus war gestern, so scheint’s. Heute brauchen “wir” Hunderte – ach, was sag ich: Tausende! – von Leuten, die uns verfolgen, unsere Blogs lesen, unsere Freunde sein wollen und unsere Meinung teilen. Zumindest ist das das Leitbild.

  6. tina sagt:

    Kann grad nicht ausführlich – warum wohl …? ;-) Aber da muss ich widersprechen: Das sind einfach ALLES Individualisten im Schwarm. :-)))

  7. Julia sagt:

    Hmm, ja, wir sind alle Individuen. Wie bei Life of Brian.

  8. tina sagt:

    So ungefähr. Jedenfalls ist das Bemühen um Abgrenzung im Schwarm umso verzweifelter, find ich.

  9. Julia sagt:

    Die Schwarmregeln sind doch so ungefähr:
    - Immer zum Mittelpunkt des Schwarms hin bewegen
    - Den Abstand zu den unmittelbaren Nachbarn konstant halten
    - In etwa in dieselbe Richtung wie die unmittelbaren Nachbarn bewegen

    Das lässt nicht viel Raum für Individualismus. Allerdings ist Abgrenzung zentraler Bestandteil, siehe Regel zwei.
    So richtig super-verlockend finde ich das Schwarmdasein aber nicht. Vielleicht bin ich da zu altmodisch.

  10. tina sagt:

    Da stimme ich dir zu – aber das scheinen mir eher Kriterien für den tierischen Schwarm zu sein, nicht für das menschliche Schwarmverhalten. Da müsste man sicher vielleicht den Konformitätsdruck anschauen:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Konformit%C3%A4tsdruck

    Das Spannungsfeld zwischen Abgrenzung und Akzeptanz ist wohl das, in dem wir uns alle immer bewegen. So ist der wohldosierte Abstand zum Nächsten sicher ganz wichtig: nicht zu nah, nicht zu fern. Oder so.

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