und fehler sind doch schlimm!

Die Sprachkonventionen im Web scheinen mir schon seit einer Weile immer lässiger zu werden – und damit meine ich nicht fehlende Höflichkeit und auch keine Feinheiten, sondern basaler: das allgemeine ortografische Niveau, die Sorgfalt und auch die Wertschätzung. Auch in Geschäftsnetzwerken wimmelt es von Fehlern, von denen nicht alle auf Flüchtigkeit zurückzuführen sind.

Aber Einträge bei Blogs und in Foren sind die eine Sache, die dienen ja nicht ursächlich der Werbung fürs eigene Unternehmen. Anders sieht’s da bei der Unternehmenskommunikation via Website aus:
Da wird selbst getextet, absenderorientiert gebrabbelt (“wir machen … “, wir haben …”, “wir wollen”, “unser Ziel ist es …”) und ebenso wenig Wert auf die Form gelegt.

Dabei darf man Werbetext nicht unterschätzen:
Was früher das vertraute und vertrauensvolle Beratungsgespräch war, ist heute, wo immer weniger im persönlichen Kontakt verkauft und erworben wird, der Text gefragt. Und Vertrauensbildung ist ein sensibles Geschäft. Zur Glaubwürdigkeit, zur kompetenten Ausstrahlung gehört auch der richtige Ton. Dabei sind beide Komponenten “richtig” und “Ton” – wobei ersteres eigentlich selbstverständlich sein sollte. Doch sowohl Texter als auch Lektoren werden immer wieder gern eingespart. Und ich bin mir sicher, dass sich das rächt.

Eine Umfrage, die ich bei Wortfeiler (“Mach es richtig oder lass es gleich”) gefunden hab, gibt meiner These Recht:

316 Personen nahmen an dieser Studie teil und gaben Auskunft zu der Frage “Welcher Faktor wirkt sich am negativsten auf die Glaubwürdigkeit einer Website aus?” Unter den fünf zur Wahl stehenden Möglichkeiten kristallisierte sich klar der Faktor Rechtschreib- und Grammatikfehler (44,94 %) als Hauptmerkmal einer unglaubwürdigen Website heraus. Es folgten seltene Aktualisierung (27,53 %) und Anonyme Quellen und Autoren (12,66 %):

Umfrageergebnisse:

  • Rechtschreib- und Grammatikfehler: 44,94 % (142 Stimmen)
  • Seltene Aktualisierung: 27,53 % (87 Stimmen)
  • Anonyme Quellen und Autoren: 12,66 % (40 Stimmen)
  • Mangelnde User-Freundlichkeit der Website: 12,03 % (38 Stimmen)
  • Geringer Bekanntheitsgrad der Website: 2,85 % (9 Stimmen)

Sprachakademie Hannover wirbt für sich
Creative Commons License photo credit: schoschie

Der Tipp, den der Autor, Herr Alkan, da gibt, ist allerdings nicht unbedingt zielführend, denn auch Kollegen sind keine Sprachexperten:

Das Überprüfen der Schreibrichtigkeit ist ein wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung. Bitten Sie einen Kollegen oder Bekannten, Ihre Texte gegenzulesen. Zugegeben, dieser Schritt kostet anfänglich Überwindung – doch ziehen Sie es tatsächlich vor, Ihre leicht vermeidbaren Fehler auf Ihrer Website publik zu machen? Ist Ihr User auch noch so tolerant, unterbewusst speichert er diese Fehler als Negativpunkte ab.

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Comments

  1. Christian sagt:

    Die Umfrage stammt, sowei ich weiß, von contentmanager.de (http://www.contentmanager.de/magazin/artikel_1129_erfolg_website_glaubwuerdigkeit.html). Methodisch kann man die nicht ernst nehmen, die haben bestimmt nur so ein kleines Umfrage-Modul benutzt. Aber ich denke, wenn man diese Umfrage mal ordentlich und ausführlich machen würde, käme man auf ein ähnliches Ergebnis.

  2. tina sagt:

    Jep, das ist die Contentmanagerstudie, der Link verlinkt auch dahin. ;-) Klar, bei n=316 ist die Aussagekraft eingeschränkt, aber doch schon ein Wegweiser.

    (Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob die Umfrage auf contentmanager.de lief – die Zielgruppe der Seite ist vielleicht auch nicht unbedingt repräsentativ für die große Masse der Internetuser …)

  3. Christian sagt:

    Es ist nicht einmal nur die Menge der Befragten, aber zum Beispiel halte ich auch das Layout einer Website für einen wichtigen Faktor, der in der Umfrage gar nicht auftaucht. Wenn ich mal ausreichend Zeit habe, werde ich über http://www.befrager.de mal eine Umfrage erstellen – sowas kann man doch dann prima für Akquiseanschreiben verwenden ;-)

  4. tina sagt:

    Oh, klar, natürlich ist das Design ganz ganz wichtig! War mir so selbstverständlich, dass es mir gar nicht aufgefallen ist.

    Ganz richtig und wichtig fand ich aber das hier:

    “Stellen Sie sich deshalb Ihrem Leser nach Möglichkeit kurz vor – ein bis zwei Sätze genügen. Hierbei sollten Sie hervorheben, was Sie zum Experten für das von Ihnen bearbeitete Thema macht: Welche Organisation vertreten Sie? Zeichnet Sie Ihr beruflicher Werdegang aus?”

    Denn die meisten Seiten von nicht so richtig kompetenten Autodidakten und unseriösen Unternehmen verzichten komplett auf Werdegang und Qualifikationen – aus gutem Grund. (Gut, zumindest besser als wenn sie welche erfinden, wenn sie keine haben …)

  5. iBa sagt:

    Schon schlimm. Wie es leidet, das orTHografische Niveau ;-)

    > basaler: das allgemeine ortografische Niveau

    Wobei ich vereinzelte Rechtschreibfehler nicht uncharmant finde. Und so menschlich-authentisch *gg* (btw: dieses Wort ist echt verhext)

  6. tina sagt:

    :-))))) Uiuiui! Ausgerechnet das Orthografische falsch zu schreiben, schlimmer geht’s kaum. Ich schäme mich ein Ründchen. So, schon fertig.

    Ja, wenn das Wort durch’s “f” erstmal so befremdlich komisch aussieht wie der fiese “Tunfisch”, dann merkt man schon gar nicht mehr, dass man’s noch einen Schritt weiter getrieben hat mit dem sprachlichen Rückbau. ;-)

    Ja, das Menschliche dran mag ich schon auch. Aber vor allem, bei Menschen, die ich mag. In der Unternehmenskommunikation

  7. Henning sagt:

    Ich find ja Sätze, die nicht zu Ende geschrieben wurden, drücken auch ganz übel auf die Glaubwürdigkeit. ;-)

  8. tina sagt:

    Oje, ich reite mich immer weiter rein … ;-) Was ist denn da passiert? Ich glaube, ich wollte schreiben, dass der Charme von Fehlern in der Unternehmenskommunikation dann doch begrenzt ist. Oder so. Ähem.

  9. Anonymous sagt:

    Wie jetz — es heißt nicht mehr Tunphisch…?

  10. iba sagt:

    schade eigentlich. So ein hübsches Wort. Da sieht man mal, was die Orthografie für Schaden anrichten kann. Nehmen wir mal die in- und externe Unternehmenskommunikation der Tunfischbranche zum Beispiel.

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