the working customer.

Es gibt so Beiträge, die öffnen einem die Augen. Dank eines Tipps aus den Reihen der ehrlichen Gebrauchsgrafiker hab ich grad einen solchen gelesen: “Vom König zum Knecht” von Markus Rohwetter in der Online-Zeit.

Unternehmen scheuchen ihre Kunden, lassen sie viele Sachen selbst machen und vermitteln das als Benefit. Das fängt beim Selfservice-Kaffee bei Starbucks an, geht übers Online-Banking bis hin zur Billy-Bastelei im heimischen Wohnzimmer.

Und dann noch die Post. »Mein Paket? Hol ich, wann ich will«, bewirbt sie ihre neuen Packstationen. Abholen? Wer von uns ist hier eigentlich der Postbote? Werdet ihr nicht dafür bezahlt, dass ihr mir mein Paket bringt ?

Express Self Service

Selbstservice - CC grabbingsand

Selbstbedienung ist positiv belegt und für mich hat es auch was von Flexibilität, mein Auto lieber selbst zu betanken als auf einen Tankwart zu warten. In einer Servicewüste ist das Motto “ich mach’s mir selbst” vielleicht ja kein schlechtes. Aber wenn man da mal genauer hinschaut, ist man schon überrascht. “Lebst du noch oder wohnst du schon?”, das kann man sich da schon mal fragen:

Ikea zum Beispiel hat sein ganzes Geschäftsmodell darauf ausgerichtet, Kunden möglichst umfassend für sich einzuspannen: Artikelnummern aufschreiben, Pakete aus dem Regal wuchten, den Einkauf ins Auto laden, daheim die Treppen zur Wohnung hochschleppen, alles aufbauen und hinterher die Pappkartons entsorgen. [...]

Rund vier Millionen Billy-Regale verkauft Ikea im Jahr. Veranschlagt man pro Stück auch nur 30 Minuten fürs Zusammenbauen, bei einem Stundenlohn von acht Euro, ergibt das eine Summe von jährlich 16 Millionen Euro – allein für das Aufstellen von Billy-Bücherregalen. Es ist Arbeitslohn, der nie gezahlt wird.

Kalkül, ick hör dir trapsen, auch wenn du prima verpackt zu sein scheinst:

»Unternehmen senken auf diese Weise ihre Kosten«, sagt Wissenschaftler Voß. »Nur wenn die Kunden Glück haben, werden sie daran beteiligt – zum Beispiel durch niedrigere Preise.«

Share

Comments

  1. Tina sagt:

    Ich bin ein bekennender I.k.e.a-Fan und ich glaube, dass viele Preise dort nicht zu halten wären, wenn ich als Kundin nicht mit anpacken müsste.

    Klar, manche Möbel sind das schon recht teuer, aber andere Sachen eben gar nicht.

    (Bin übrigens heute noch da gewesen, beim Möbelschweden…) :-)

  2. tina sagt:

    Klar, bei Ikea isses noch halbwegs logisch, da hat mal wohl nen Preisvorteil. Aber dass Briefmarken per Handy teurer sind und eben der Starbucks-Kaffee im Self Service, das ist weniger einzusehen.

  3. Jörn sagt:

    So traurig es ja auch ist, aber ich nehme lieber die Packstation in Anspruch (also nehme es selbst in die Hand), als der Zuverlässigkeit eines Paketlieferanten zu vertrauen. Denn die Vergangenheit zeigt, dass dieser das Paket lieber gar nicht abgibt (und dann noch ohne Benachrichtigung), als in den 3. Stock zu mir zu laufen…

  4. tina sagt:

    Das ist wirklich traurig – ins 1. OG schaffen’s die sehr freundlichen Zusteller hier bisher immer, toi, toi, toi. :-)

  5. juf sagt:

    Sind die Paketzusteller nicht Ich-AGs? DIe müssten eigentlich daran interessiert sein, dass der Kunde nicht zu den Packstationen rennt. Oder kriegen die für jeden neuen Packstationsbenutzer aus seinem Bezirk ein Kopfgeld? Meine Pakete finde ich jedenfalls auch immer erst nach einer Schnitzeljagd

  6. tina sagt:

    Ich hab keine Ahnung. Ich bin zwar Packstationskartenbesitzerin, aber die nächste Packstation steht in Dortmund. Nicht weit weg, aber ich lasse doch gern kommen …

  7. Anonymous sagt:

    Also da lob ich mir den Service der US Post. Alles was der Kunde selbst macht (online) ist mit 5% rabatiert. Jede Mehrfamilienhausanlage hat ein Office, da werden die Pakete abgegeben. Sollte das ausnahmsweise mal nicht klappen, Dann gibts den Zettel an der Tuer mit der genauen Adresse, wo das Paket ist.

    Als Kroenung werden saemtlich Papkartons (Paeckchen und Pakete) von US Postal U M S O N S T an den Kunden abgegeben. Diese koennen dann noch Online oder per Telefon geordert werden und werden frei Haus geliefert. Selbstverstaendlich werden alle Postsachen vom Brief bis zum Paket, welche schon frankiert sind gerne vom Postboten am naechsten Tag mitgenommen. Einfach Klasse dieses System.

  8. Aquii sagt:

    Aeks, sorry ich war der letzte Komentator, bin noch nicht ganz ausgeschlafen ;)

  9. tina sagt:

    Ah, das ist ja schön, auch mal zu hören, wie klasse das in LA läuft. Warum hier Briefträger nicht auch Briefe mitnehmen (ich hab’s noch nie probiert, aber usus ist es ja nun nicht), das hab ich mich auch schon gefragt.
    Ein Office hier im Haus – außer meinem und dem meiner Schwester – nur für Päckchen hab ich aber noch nicht vermisst. Ist aber wohl auch alles ne Nummer kleiner hier. ;-)

    Gratis-Kartons zur Bestellung frei Haus, das wäre allerdings super; ich horte nämlich jede Menge Kartons, um den Kram, den ich irgendwann doch mal bei eBay einstellen will, auch verschicken zu können … ;-)

    Darf ich fragen, von wo aus du nach LA gegangen bist?

  10. Susi sagt:

    Ist doch aber ein tolles Marketing, dass da dahinter steht. Echt beeindruckend. Dem Kunden Freiheit und Selbstbestimmung zu verkaufen, während er eigentlich arbeitet … ;-)

  11. tina sagt:

    Also raffiniert ist es bestimmt! Aber traurig, dass dabei einige Lösungen nur so supertoll erscheinen, weil man bei Service hierzulande oft denkt, um wie viel schneller man etwas selbst hätte erledigen können. :-)

  12. Aquii sagt:

    @ tina
    aus Hamburg, warum?

  13. tina sagt:

    Ich war nur neugierig. Deine Einträge klingen so englisch.

  14. Oliver Schuh sagt:

    Nichts ahnend tingelt man so durchs Netz und findet einen Link auf uns. ;-)

    Hallo Tina, hallo alle anderen.
    Tje, so ist das. Und dann fühlen sich alle gebauchpinselt und meinen Teil einer Entwicklung zu sein.
    Allerbestes Marketing!
    Aber ich will mit meinen IKEA Erfahrungen auch nicht hinter dem Berg halten, denn preislich ist es überhaupt kein Vorteil dort einzukaufen.
    Beispiel:
    Für’s Atelier habe ich eine große Schrankwand gesucht. Besser zwei. Jeweils 2m breit mit Schiebetüren, schwere Regalböden. Im Grunde sinds Kleiderschränke.
    Bei IKEA hätte ich mir wunderbar alles zusammenstellen können und ein heiden Geld ausgegeben. Ohne Aufbau. Und ohne wirklich das zu bekommen, was ich wirklich gesucht habe.

    Das war bei Höffner anders. Super Beratung, Lieferservice, kostenloser Aufbau, das Ding stand genauso da, wie ich es mir vorgestellt habe, gelackte, weisse Oberfläche, absolut edel, Markenware und jetzt kommt es:

    600,- Euro günstiger als bei IKEA, bei 3.000,- Endpreis.

    Ich als Shoppingmuffel war froh, daß mein Frau mich weitergeschleppt hat.

    Hat mich gefreut
    und ich empfehle mich. ;-)
    Oliver Schuh | agd | die gebrauchsgrafiker

  15. Hallo,
    ich kann Olli nur beipflichten. Es ist ewig anstrengend bei Ikea und sparen tut man auch nicht. Und Tina – tollte Rechnung die Su da aufstellst. So hat das bisher wohl kaum einer betrachtet. Und im letzten Jahr habe ich den Service erlebt mal das Auto vollgetankt zu bekommen. Das war eine Tankstelle in Halle/Saale. Mensch war das schön als Frau sich nicht die Finger schmutig machen musste. Der junge Mann wollte mir dann gegen Geld die Scheiben putzen. Ich sagte dass ich das nicht brauche, weil die recht sauber sind… gehe rein zum bezahlen und finde frisch geputze Scheiben vor und der junge Mann war bereits woanders beschäftigt. Service den Frau mag ;-)

    Viele Grüße
    Heike Werneburg

    auch AGD und diegebauchsgrafiker ;-)

Submit a Comment

Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.