“Ein Texttraum? Mit Nichten.”

Diese offensivagitatorischen Werbebemühungen finde ich ja persönlich äußerst befremdlich. Warum dieser Sermon immer so lang sein muss, auf bunt und typografisch gruselig gesetzt, weiß ich auch nicht. Wahrscheinlich soll man als Leser in eine Art Strudel mitgerissen werden? Und 1.088 Euro für ein Mailing müssen auch nicht unbedingt sein, Standards sowieso nicht. Es gibt sicher Zielgruppen, die so eine Ansprache lieben und brauchen – vielleicht, um Heizdecken zu verkaufen oder Wunderpendel? Ich persönlich halte es da eher mit den guten alten Pfeilern Konzeption, Qualifikation, Textkompetenz. Assoziativ, empathisch und überraschend unterhaltsam schreiben kann man zum Glück auch ohne “!!!gefährlich!!!”-Drohungen.

Posten tu ich das aber eigentlich nur, weil ich die Passage “Ein Traum? Mit Nichten.” so süß finde.

44 Gedanken zu „“Ein Texttraum? Mit Nichten.”

  1. Vroni

    Gehen wir das Ding doch mal konstruktiv an und kritisieren nicht in Grund und Boden. Sagen mal nicht dauernd, wie es nicht geht, sondern sagen sagen ma tüchtig Bescheid, wie es denn RICHTIG geht. Wir sind doch hier die Könner.

    Was braucht eine gute Werbertexterausbildung denn nach deiner Meinung?

    Das könnte ein interessanter Thread werden.

  2. tina Artikelautor

    Verstehe ich ja alles – aber dieser nette Verlag baut damit doch ganz offensichtlich nicht vor für den Fall, dass der Berufswunsch per se nicht vom Umfeld akzeptiert wird, sondern auch und vor allem, dass sein konkretes Seminarangebot skeptisch beäugt wird – da wird aus der Familie dann eine Horde Neinsager, die in ihrem Leben selbst nie was geleistet hat.

    Und solide Füße sehe ich hier weit und breit keine – wie gesagt, zum Ob und Wie steht da nirgends nichts, die versprechen suggerieren jedem Menschen, ganz gleich welchen Charakters oder Alters, mit welcher Bildung oder Interessenslage, also auch sogar textlich gänzlich talentfreien Menschen, innerhalb eines Jahres erfolgreicher Werbetexter mit viel Freizeit und mind. 50.000 Euro Jahreseinkommen werden zu können. Und an dem ist doch de facto nicht.

    Das hat für mich nichts damit zu tun, wie die eigene Familie zum Berufswunsch steht – oder gar damit, dass sich der Verlag darum tatsächlich sorgen würde.

    Das ist nur wieder diese super Ja-Straße, bei der dann jeder denkt: “Ja, stimmt genau, bei mir war’s genauso, ich hatte es auch nie leicht und meine Familie war dauernd skeptisch …”

  3. tina Artikelautor

    Eine gute Werbetexterausbildung? Ich halte da eigentlich eine solide geisteswissenschaftliche Ausbildung für eine gute Basis, aber es gibt unzählige weitere – eine Ausbildung auf den Beruf hin finde ich gar nicht so wichtig, auch wenn man Schreiben bestimmt auch lernen kann bzw. sich durch Übungen und Kurse verbessern.

    Die kann sicher ganz verschieden aussehen, aber für wichtig halte ich ein waches Auge, eine große Neugier, ein dickes Interesse an und ein Gespür für Menschen und deren Bedürfnisse – sowas kann man in der Schule des Lebens lernen oder in einem soziologisch orientierten Fach an der Uni.

    Logik und konzeptionelle Denke kann man durch wissenschaftliche Arbeit mit Sicherheit schulen, ebenso die rein sprachliche Seite des Jobs. Aber ich bin weiterhin davon überzeugt, dass da manche Menschen einen Sinn für haben und andere eben nicht so und dafür andere Affinitäten und Talente.

    So eine Diskussion hatten wir aber doch auch schonmal …

  4. Vroni

    Hi,

    “… suggerieren jedem Menschen, ganz gleich welchen Charakters oder Alters, mit welcher Bildung oder Interessenslage, also auch sogar textlich gänzlich talentfreien Menschen, innerhalb eines Jahres erfolgreicher Werbetexter mit viel Freizeit und mind. 50.000 Euro Jahreseinkommen werden zu können. Und an dem ist doch de facto nicht.”

    Das hätte ich hören wollen.
    Und am liebsten gleich von Beginn des Threads an. Dann hätte sich der Thread richtig angefühlt.

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